Die Bullemänner – „Rammdöösig“

Nach der Premiere des Kinofilms “Shades of Grey” klagt die Freiwillige Feuerwehr des Bullemänner Heimatortes Suchtdrup über eine zunehmende Zahl von Einsätzen in Schlafzimmern: Die Kameraden um Unterbrandmeister Heini Stertkötter wurden nach unsachgemäßem Gebrauch von rosa Handschellen, elektrischen Viehtreibern und handelsüblichen Eierpieksern zu zahlreichen Rettungseinsätzen gerufen. Selbst Melkmaschinen wurden fernab des Kuhstalls zweckentfremdet. Deswegen der dringende Aufforderung der Suchtdruper Floriansjünger: Immer ein Ölkännchen auf dem Nachttisch für die Handschellen, neben dem Bett ein Sack Bindemittel, um ausgelaufene Betriebsstoffe abzustreuen, und hinterher macht man alles selber wieder weg. Heini Stertkötter: “Quält der Sex dich auch so sehr, rufe nie die Feuerwehr!” Und Heini stellt eine Frage in den Raum, die uns alle nachdenklich stimmen sollte: “Kann man nicht einfach wieder wie früher mit Licht aus“? ..ein geregeltes oben und unten und dann „Gut’ Nacht – gut’ Nacht.”

Die ausführlichen Hinweise der Suchtdruper Feuerwehr finden Sie hier oder auf unserer FACEBOOK-Seite oder auf YOUTUBE

Die Provinz zu Besuch in Brilon

WAZ BrilonWAZ Brilon

Bullemänner bringen weltpolitische Diskussionen und Probleme auf den Punkt.

Nun waren sie mit ihrem Programm „Rammdöösig“ zu Gast im Briloner Kolpinghaus. Das westfälische Satirefeuerwerk überzeugt.

Die Welt zu Gast in Suchtdrup könnte man meinen, wenn die Bullemänner aus dem Münsterland mit ihrem Programm „Rammdöösig“ auftreten. Am Donnerstag konnten sich auch die „Brilonesen“ im Kolpinghaus vom Satirefeuerwerk der Westfalen überzeugen.
Die Mischung stimmt. Große Themen auf die Provinz runtergebrochen, so bezeichnen Augustin Upmann, Heinz Weißenberg und „Tastenkraft“ Svetlana Svoroba ihr Programm. Da wird im Zuge des Flüchtlingsstroms Niedersachsen schon mal zum sicheren Herkunftsland erklärt, das Faultier zum Wappentier von „Westfaulen“ gemacht oder die Autosucht der Deutschen als „Rüstungsgeschäft der Straße“ bezeichnet.Dass die Bullemänner ihre Pointen spitz auf den Punkt bringen, wird nicht zuletzt durch zahlreiche musikalische Einlagen unterstrichen. Mit perfekter Stimme besingt die ukrainische „Tastenkraft“ Svoroba den Westfalen, „der weiß, wo man sich bei Regen unterstellen kann“ in einem nahezu rührenden Liebeslied. Die Mischung stimmt – und das merkt auch das „Briloneser“ Publikum im Kolpinghaus, das nach ein wenig Eingewöhnungszeit in den westfälisch trockenen Humor jede Pointe mit schallendem Gelächter quittiert. Dass Suchtdrup und die Frei­willige Feuerwehr in Saus und Braus leben können und der örtliche Fußballverein nicht nur von der Kreisliga A, sondern gleich von der Champions League träumen kann, liegt vor allem an Oleg. Der hat das verschlafene westfälische Städtchen einfach mal gekauft – als Freizeitbeschäftigung und Aus­bildungsmaßnahme zum russischen Oligarchen. Aber so ein Vorgehen weckt natürlich Misstrauen bei August. „Andersgläubige zu massakrieren, war schon immer eine westfälische Kernkompetenz“, wie er feststellt. Aber der Grund allen Übels ist ohnehin die erste falsch herum aufgehängte Klopapierrolle. Egal ob Ehekrach im Kleinen oder Krieg im Großen.

Aushängeschild ihrer Region

Auch wenn es in Westfalen „immer dort regnet, wo es nass ist“, ist das für die Bullemänner ein Aushängeschild ihrer Region. Für italienische Abgesandte und für die Welt. Das Buddha, der natürlich auch Westfale war, den „et is, wie et is-mus“ gegründet hat, versteht sich da von selbst.Den Bullemännern liegt am Herzen, ihre Heimat der Welt nahe zu bringen. Und das merkt das Publikum, das selbst die Eigenarten des Sexlebens in Suchtdrup nach „Fifty Shades of Grey“ verstehen kann.Am Ende des Programms sehen sich die Bullemänner deshalb auch gezwungen, allen „Brilonesen“ einen Aufkleber mit dem neuen Wappentier „Westfaulens“ mit auf den Weg zu geben. Ebenso wie das Faultier sollten wir uns von all den kleinen Problemen nicht „rammdöösig“ machen lassen. Von Tobias Schürmann

„Bullemänner“ und die Tastenfachkraft in Schüttorf
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Grafschafter Nachrichten Foto: Andreas Krzok

Der Metzger und sein Opfer – „Bullemänner“ an der Fleischwurstfront.

Ein vergnüglicher Abend hat die Besucher auf Einladung der Landfrauen im Theater der Obergrafschaft am Freitag erwartet. Auf der Bühne standen die „Bullemänner“ aus Westfalen.

Schüttorf. O glückliche Grafschaft! Hier gehen die Leute zum Lachen nicht in den Keller, sondern ins Theater. Die Probe aufs Exempel konnte man einmal mehr am vergangenen Freitagabend machen. Auf Einladung des Landfrauenvereins Isterberg waren die „Bullemänner“ mit ihrem Programm „furztrocken“ angereist. Im – trotz Handball-EM-Thriller – randvollen Theater der Obergrafschaft boten die „Slow Comedians“ aus dem imaginären Örtchen Suchtrup „Lebenshilfe aus der westfälischen Runkeltaiga“.

„Bullemänner“, „furztrocken“. Das klingt nach Brachialhumor mit Ausrutschern unter die Gürtellinie. Aber man musste sich nicht sorgen, denn die Humoristen aus dem „benachbarten Ausland“ hatten bereits bei Auftritten im kleineren Rahmen (im „Komplex“ und im „KunstWerk“) ihre Duftmarke in Schüttorf gesetzt: würzig, aber nicht unangenehm.

Und sie erwarben sich gleich bei der Begrüßung Sympathien, indem sie an „Schüttorf Open Air“ und David Bowie erinnerten („Bowies letzte Worte: ,Schümers Korn brings me nach vorn‘“), gefolgt von einem Kompliment für die aktuelle Schüttorfer Integrationsbemühungen in Gestalt von Holzhäusern und einem Café für Flüchtlinge.

Heinz Weißenberg und Augustin Upmann (beide Jahrgang 1955), musikalisch unterstützt von der „Tastenfachkraft“ Svetlana Svoroba (39), bereiteten ihrem altersgemischten Publikum einen höchst vergnüglichen Abend. Ob als Unterbrandmeister Heini Stertkötter, ob als gedächtnisschwacher August Laukemper – immer hielten sie sich an die handfesten westfälischen Realitäten. Langsam, bedächtig, erdverbunden. Nur keine Aufregung: „Drei Hummeln töten ein Pferd. Drei Ekstasen töten einen Westfalen.“

Knödeliger Dialekt mit intelligentem Humor – damit begeistern die Westfalen in Schüttorf

Mit ihrem leicht knödeligen Dialekt, mit intelligentem Humor und „Land-läufigen“ Anspielungen auf Sitten und Unsitten, bäuerliche Probleme und häusliche Querelen brachten die „Ethnokabarettisten“ die Sache auf den Punkt. Dass das angesagte Lebensstil-Magazin „LandLust“ und seine Fangemeinde ihr Fett abbekamen, lag nahe. Die abgefahrenen Verschönerungsvorschläge für Heim und Körper trieben die „Bullemänner“ auf die Spitze: Zöpfchen flechten zu Achselhaar-Makramee. Und sie kündigten die Männer-Ausgabe „LandLümmel“ an mit so delikaten Beiträgen wie Mähdrescher richtig sammeln, Töpfern mit Mett, Filzen mit Fusseln aus dem Bauchnabel.

Dem vom Lachen geschüttelten Publikum führten die Helden aus der Provinz die Probleme der Freiwilligen Feuerwehr Suchtrup beim Löschen eines Windrads vor Augen. Da war Mithilfe aus dem Parkett nötig: Die Frauen sollten Windgeräusche machen, die Männer die Hubschrauber-Rotoren knattern lassen. Zwischen Zeugung (auf dem Hanomag hinterm Festzelt) und Beerdigung (unter Siloplatte und Autoreifen) blieb nichts Menschliches außen vor.

Auch eine „Bullefrau“

Was aber wären die „Bullemänner“ ohne die „weltweit erste Bullefrau“! Dann könnte Augustin Upmann zwar zur Ukulele, zum Banjo und zur E-Gitarre greifen und mit seinem Kumpan Heinz recht ordentlich zweistimmig singen. Aber ohne die „Ukraine-Migrantin“ Svetlana wäre es nichts geworden mit der Vertonung der Fleischwurst. Rimski-Korsakows „Hummelflug“ interpretierte sie erst ukrainisch und dann westfälisch. Beethoven, Wagner und Grieg verwurstete sie zu Metzger-Werbe-Musik. Dabei konnte sie zeigen, welch vorzügliche Musikerin in der „Tastenfachkraft“ am E-Piano steckt. Und prima singen kann die Frau auch noch!

So galt der stürmische Beifall am Schluss (Heinz Weißenberg: „Ah, Sitting Ovations!“) dem kompletten „Bulle-Trio“. Mit Text, Spiel und Musik hatten die drei auf der Bühne bewiesen, dass die Westfalen handfeste Leute mit dem Herz auf dem rechten Fleck sind und dass ihr „furztrockener“ Humor auch bei ihren Grafschafter Nachbarn mühelos verstanden wird.

In den Applaus darf sich auch der Vorstand des Landfrauenvereins Isterberg einbezogen fühlen. „Wir haben gedacht, es wäre nach vier Jahren Pause wieder an der Zeit für einen Theaterabend“, sagte die Vorsitzende Elke Horstmeier. „Die ,Bullemänner‘ sind zugleich der krönende Abschluss des Jubiläumsjahres 2015, in dem unser Verein sein 60-jähriges Bestehen feiern konnte.“

Von Andreas Krzok